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Wie funktioniert die generationenübergreifende Zusammenarbeit in der Bundesverwaltung?

Unser Generalsekretär betont: Generationenübergreifende Zusammenarbeit ist «keine HR-Nebensache, sondern Führungsaufgabe. Unterschiedliche Lebensphasen bringen unterschiedliche Erwartungen mit sich. Was verbindet, ist der Wunsch nach Sinn, Wertschätzung und guter Zusammenarbeit.»

Wir haben PVB-Mitglieder aus den diversen Generationen gefragt, wie die generationsübergreifende Zusammenarbeit bei ihnen funktioniert und was nötig ist, damit dies auch in Zukunft gelingt.

Mitglieder der Generation X

Wo liegen die Stärken in der Zusammenarbeit mit Jüngeren – und wo entstehen Spannungen?

«Ihre Leichtigkeit im Umgang mit neuen Medien fällt positiv auf. Insgesamt ist es für beide Seiten eine Bereicherung.»

«Der Umgang mit neuen Tools fällt ihnen leichter. Sie hinterfragen langjährig bestehende Prozesse und Abläufe kritisch. Das ist eine Win-win-Situation für beide Seiten. Gleichzeitig entstehen dadurch auch Spannungen, weil Jüngere ein grosses Selbstvertrauen bei noch wenig Erfahrung oder begrenztem Wissen über die internen Abläufe haben und alles verändern wollen.»

«Unterschiedliche Erwartungen bei Work-Life-Balance und flexiblen Arbeitszeiten können zu Missverständnissen führen, insbesondere wenn gewisse Ansprüche als selbstverständlich gelten.»

Welche Arbeitsweisen, Werte oder Kompetenzen eurer Generation sollten Unternehmen ernster nehmen?

«Das Knowhow, unsere Erfahrung und unsere Beständigkeit. Ich bin der Meinung, dass die Generation Z leider nicht mehr so viel Durchhaltevermögen hat wie wir.»

«Unser Pflichtbewusstsein, das Engagement und die Identifikation mit dem Arbeitgeber. Wir sind die Generation «learning by doing» – vom Arbeiten mit der Schreibmaschine bis zum Sprachcomputer – und bringen grosse Anpassungsfähigkeit mit.»

Wie soll sichergestellt werden, dass dein berufliches Know-how nicht verloren geht?

«Es ist an uns, unser Wissen weiterzugeben ohne dabei Angst vor Bedeutungsverlust zu haben.»

«Mit Wissenstransfer und Wissensmanagement, Erstellen von Leitfäden, Checklisten, Prozessbeschreibungen.»

Von welchen Kompetenzen deiner jüngeren Arbeitskolleg:innen kannst du lernen?

«Von der Unbeschwertheit, die die Jüngeren zum Teil an den Tag legen.»

«Wenig Angst vor Neuem – insbesondere im digitalen Bereich – und die Haltung, Veränderungen als Chance zu sehen.»

Generation Y und Z

Wo seht ihr den grössten Mehrwert in der Zusammenarbeit mit älteren Kolleg:innen – wo erlebt ihr Hürden?

Mitglied der Generation Y

«Einige ältere Kolleg*innen verfügen über sehr fundierte Kenntnisse in ihrem Fachgebiet, was unter bestimmten Umständen von Vorteil ist. Sie machen sich oft weniger Gedanken über die Folgen ihrer Fehler und sind weniger pingelig. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es ihnen schwerfällt, Veränderungen zu akzeptieren, oder dass sie zwar mitmachen, dabei aber meckern und negative Bemerkungen machen – zum Beispiel, dass früher alles besser war.»

Mitglieder der Generation Z

«Ich schätze ihre pragmatische Art Probleme zu lösen und ihre Ruhe in stressigen Situationen. Hingegen sind alte festgefahrene Arbeitsgewohnheiten oder die eher zurückhaltende Einbindung des ganzen Teams in Entscheidungsprozesse herausfordernd.»

«Ich lerne unterschiedliche Sichtweisen kennen. Ältere Kolleg:innen vermitteln aber oft auch den Eindruck, dass Lebenserfahrung mit “es besser wissen” gleichgesetzt wird und sich daher weniger auf uns einlassen.»

«Meine älteren Kolleg:innen sind in vielen Ansichten eher konservativ. Ich kann da nicht immer zustimmen. Das ist jedoch nicht zwingend ein grosses Problem, da ich weiss, dass jeder Mensch eine andere Sichtweise und Meinung hat.»

 

Welche Arbeitsweisen, Werte oder Kompetenzen deiner Generation sollten Unternehmen ernster nehmen?

Mitglied der Generation Y

«Die Fähigkeit, den Überblick zu behalten und sich selbst zu hinterfragen. Sowohl in meinem beruflichen als auch in meinem privaten Umfeld stelle ich fest, dass wir Menschen meiner Altersgruppe leichter alle Zusammenhänge einer Situation oder eines Projekts erkennen und oft gut darin sind, von einer Situation zur nächsten zu wechseln.»

Mitglieder der Generation Z

«Unsere digitale Kompetenz, Kreativität im Umgang mit neuen Tools sowie Flexibilität und Lernbereitschaft.»

«Ein zentrales Thema ist die Work-Life-Balance: Arbeit dient uns nicht nur, um Einkommen zu sichern, sondern soll auch Sinn stiften. Private Themen sollen – in angemessenem Rahmen – bei der Arbeit auch einen Platz haben, um gegenseitiges Verständnis zu fördern.»

«Unsere Perspektiven sollen ernst genommen und nicht vorschnell als unerfahren abgetan werden.»

 

Wie soll sichergestellt werden, dass das berufliche Know-how deiner älteren Arbeitskolleg:innen nicht verloren geht?

Mitglied der Generation Y

«Am besten bittet man sie, Informationen schriftlich festzuhalten und man sollte nicht zögern, ihnen Fragen zu stellen. Aber im Allgemeinen ist die schriftliche Form die Lösung.»

Mitglieder der Generation Z

«Mit einer guten und respektvollen Kommunikation auf Augenhöhe kann ein echter Austausch entstehen.»

«Entscheidend sind rechtzeitige Übergaben, Tandemmodelle und regelmässige Wissensaustausche.»

«Ich bin hier skeptisch, denn für viele ist dies eine Pflichtübung. Echte Kooperationsbereitschaft ist Voraussetzung für den Wissenstransfer.»

 

Von welchen Kompetenzen deiner älteren Arbeitskolleg:innen kannst du lernen?

Mitglied der Generation Y

«Ihr Fachwissen zu bestimmten Themen, ihre zwischenmenschlichen Fähigkeiten – ich finde, sie sind viel besser im Small Talk und können leichter Kontakte knüpfen.»

Mitglieder der Generation Z

«Von der Ruhe und Gelassenheit in Stresssituationen.»

«Es geht aus meiner Sicht weniger um spezielle Kompetenzen der älteren Arbeitskolleg:innen als viel mehr grundsätzlich darum, von allen Personen zu lernen – Lernen sollte generationsunabhängig sein.»

«Ältere Kolleg:innen sind oft strenger und akzeptieren ein Nein nicht vorschnell. Gleichzeitig nehmen sie sich Zeit und unterstützen bei der Umsetzung.»

 

Zusammen stark – trotz unterschiedlicher Erwartungen

Die Zusammenarbeit zwischen den Generationen X, Y und Z wird insgesamt als grosse Chance wahrgenommen, ist jedoch auch von Spannungen geprägt. Diese entstehen weniger durch fehlende Kompetenzen als vielmehr durch unterschiedliche Werte, Arbeitsweisen und Erwartungen.

Generation X bringt vor allem Erfahrung, Beständigkeit, Pflichtbewusstsein und ein starkes Engagement mit. Sie sieht ihre Stärke darin, Wissen aufgebaut und Veränderungen über Jahre hinweg aktiv mitgestaltet zu haben.

Generation Y und Z hingegen überzeugen durch digitale Kompetenz, Offenheit für Neues, Flexibilität und den Wunsch nach Sinnhaftigkeit in der Arbeit.

Ein zentraler Spannungsbereich ist das unterschiedliche Verständnis von Work-Life-Balance, Hierarchien und Entscheidungsprozessen. Während jüngere Generationen mehr Mitsprache, Flexibilität und Sinnorientierung erwarten, legen ältere Generationen mehr Wert auf Verbindlichkeit, Loyalität und klare Strukturen.

Der grösste gemeinsame Nenner liegt im gegenseitigen Lernen: Ältere profitieren von der digitalen Offenheit und Veränderungsbereitschaft der Jüngeren. Jüngere profitieren von der Erfahrung, Gelassenheit und dem Fachwissen der Älteren.

Damit dieses Potenzial genutzt werden kann, braucht es:

  • Aktiven Wissenstransfer (z. B. Tandemmodelle, Dokumentation, Austauschformate)
  • Offene Kommunikation auf Augenhöhe
  • Gegenseitigen Respekt und echtes Interesse an anderen Perspektiven

Fazit: Erfolgreiche Zusammenarbeit entsteht nicht trotz, sondern gerade wegen der Unterschiede zwischen den Generationen – vorausgesetzt, Arbeitgeber schaffen bewusst Räume für Austausch, Verständnis und Zusammenarbeit.

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